| ASI-Tirol
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Erfahrungen mit Webforen im Outdoor-Risikomanagement und weitere zukünftige Entwicklungen |
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| Autoren 1. Einleitung 2. Web 2.0 3. Beispiele für erfolgreiche Benutzerforen 4. Zukunft der web-basierenden Foren 5. Zusammenfassung Weiterführende Diskussionen Referenzen |
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| Autor(en) | |
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DI Christian Klingler, war von 2000 bis 2006 Mitarbeiter beim ASI-Tirol, hat 2007 sein eigenes Unternehmen asolvo gegründet. Er beschäftigt sich mit Risikomanagement und wie man dazu das Web nutzt. Email christian[at]klingler.com Dr. Michael Bründl, leitet die Forschungsgruppe Risikomanagement beim Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos (Teil der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL), Email bruendl[at]slf.ch |
![]() ![]() Christian Klingler, Michael Bründl |
| 1. Einleitung | |
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Neben den Frühwarnsystemen, die sich vor allem für Wintergefahren in den alpinen Regionen etabliert haben, entwickelte sich in den letzten Jahren ein weiteres Modell des Informationsaustauschs. Mit Web-basierten Foren können nicht nur Behörden und Experten Outdoor-Risken einschätzen, sondern jedermann/frau. Dieser Vorteil ist allerdings auch der stärkste Nachteil in Bezug auf das Qualitätsmanagement der Beiträge. |
![]() Outdoorsport |
| 2. Web 2.0 | |
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In den Jahren 2004 bis 2006 entwickelte sich das Informationsmodel im Web weiter. Soziale Anwendungen erschienen; die bekanntesten sind dabei Flickr für Fotos, del.icio.us für Bookmarks und die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Der Verleger Tim O'Reilly definierte für diesen Paradigmenwechsel von "publish" zu "participate" den Begriff "Web 2.0" [OR2005]. Die Vertreter des Web-2.0-Modells glauben, dass die Verwendung des Webs sich hin zu Benutzeraustausch und sozialen Netzwerken entwickelt. Dabei entsteht durch die Benutzer eine Art von "sozialer Intelligenz" [TR2005]. Im Gegensatz zu autoritativen Systemen von formalen Verzeichnissen (ein "Taxonomie" genanntes Prinzip) wird die Welt dabei über kollaboratives "Tagging" klassifiziert (von Thomas Vander Waal 2003 als "folksonomy" bezeichnet [VW2004]). Ein weiterer Aspekt im Web 2.0 ist die Syndikation von Inhalten ("content syndication"). Über die Webstandards RSS und Atom können Inhalte von externen Quellen in eigene Websites integriert werden. Angewendet auf Outdoor-Risikomanagement bedeutet dies, dass soziale Netzwerke die Möglichkeit der sinnvollen Ergänzung von traditionellen zentralistischen Frühwarnsystemen bieten, die über Email oder das WWW verbreitet werden. 2.1 Web 2.0 Bausteine Abb. 3: Web 2.0 Komponenten Erfolgreiche Software sind Wordpress, Typepad, Blogger, MediaWiki, Picasa / Picasaweb. Bekannte Marken im Web sind Blogger.com, Yahoo 360, MySpace, Wikipedia, Flickr, YouTube und Google Maps. Der "Klebstoff" des Web 2.0 sind offene APIs und Protokolle wie RSS, RDF, Atom. Damit können alle diese Anwendungen miteinander kombiniert werden - Stichwort "Mashup". Damit entstehen neue Anwendungen, beispielsweise werden georeferenzierte Fotos mit einer interaktiven Kartenanwendung verknüpft. Für die nähere Zukunft ist die Kombination von standardisierten Basiskomponenten für Texte, Fotos, Videos, etc. zu einer Web-2.0-Anwendung im Risikomanagement denkbar. Einige Angebote im Web gehen bereits in diese Richtung. |
![]() © M. Angermeier (cc-by-sa) |
| 3. Beispiele für erfolgreiche Benutzerforen | |
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Man kann zwischen zwei Arten von Risikomanagementsystemen unterscheiden: Einerseits entwickelten sich (meist zugangsgeschützte) Expertenforen, und andererseits öffentliche Foren. 3.1 Öffentliche Foren Das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos startete 2000 mit einem Webforum [FOR2000], das nach dem Prinzip der Network News und Bulletin Boards arbeitete. Die Benutzer konnten darin Fragen stellen und auf eine Antwort von Experten oder anderen Benutzern hoffen. 2001 wurde von einem österreichischen Bergführer ein LISA [LISA2001] genanntes Forum über Lawinengefahren installiert. Jedermann konnte über Schneebedingungen, Lawinengefahren und -unfälle berichten. 2002 wurde vom Österreichischen und Tiroler Bergsportführerverband gemeinsam mit ASI die Plattform "gipfelbuch.at" [GIPF2002] gegründet. Mit jeder Skiroute, mit jeder Abfahrt trifft ein Bergführer kausale Entscheidungen, die auf Fachwissen, Erfahrung, Intuition und darüber hinaus auf Gebietskenntnissen und Heimvorteil beruhen. Um dieses Humankapital nutzbar zu machen, wurde das Internetforum gipfelbuch.at vom Verband initialisiert. Nachdem Beiträge nur von Bergführern geschrieben werden, ist die Qualität der Beiträge hoch. In der Schweiz wurde "basislager.ch" [BAS2000] im Jahr 2000 als eine private Initiative gegründet. Es deckt alle Arten von alpinen Outdoor-Sportarten von Skitouren über Hochtouren zu Eisklettern ab. Bis heute ist basislager.ch die Plattform mit der größten Benutzerbeteiligung. Von November 2001 bis Februar 2005 wurden etwa 5300 Benutzerartikel im Forum gezählt. Das Fotoforum "Auf Touren" des Salzburger Lawinenwarndienstes [AT2003] startete ursprünglich als Fotowettbewerb. 2003 wurden die Fotopostings um die Möglichkeit von Benutzererfahrungen bei Skitouren ergänzt. "Auf Touren" entwickelte sich zu einem mächtigen Forum zum Austausch von Risikoerfahrungen von Wintersportlern. 3.2 Expertenforen Im darauf folgenden Winter 2001/2002 wurde das System als "ESIS LK" für den regionalen Informationsaustausch der Lawinenkommissionen im Bezirk Landeck adaptiert. Eine weitere Sportart, für die sich das Forum als Werkzeug bewährt hat, ist der Canyoningsport. IFKIS-MIS ("Interkantonales Frühwarn- und Kriseninformationssystem für Naturgefahren", [IFKIS2004]) wurde 2001 vom SLF und den Schweizer Kantonen in der Landschaft Davos-Klosters - im Rahmen der IFKIS-Maßnahmen nach 1999 - eingeführt. ASI's ESIS wurde dafür als technologische Basis verwendet. Der erste Winter demonstrierte die Brauchbarkeit zur Kommunikation der Sicherungsverantwortlichen über ein Web-basiertes Informationssystem. Die zentrale Frühwarnung wird dabei nicht ersetzt, sondern durch eine weitere Komponente ergänzt. Mittlerweile wird das permanent weiterentwickelte IFKIS-MIS in vier weiteren Schweizer Regionen eingesetzt. |
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| 4. Zukunft der web-basierenden Foren | |
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Bei Web-basierenden Outdoor-Foren werden standardisierte Web-2.0-Tools
kollaborative Risikomanagement-Plattformen ermöglichen. Nützliche
Komponenten sind vor allem Weblogs, Moblogs, Foto- und Videoplattformen,
Möglichkeiten zur Überprüfung von Artikeln, Wikis und alle Arten
von Kartenanwendungen. |
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4.1 Qualitätssicherung |
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| Eine erste Möglichkeit sind technische Filterlösungen
wie "Akismet", "Spam Karma" oder "Spam
Assassin", die in einigen Weblog-Systemen zum Einsatz kommen.
Akismet [AKIS2005] als Beispiel für
eine solche technische Lösung ist ein adaptiver, selbstlernender
Spamschutz in Form eines Weblog-Plugins mit einer Fehlerrate von
0.001% (lt. eigenen Angaben). |
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| Die zweite, wesentlich effektivere und Erfolg versprechende
Möglichkeit sind die Nutzer selbst. Das Netzwerk von teilnehmenden
Benutzern übernimmt die Qualitätssicherung, beispielsweise über
ein Bewertungssystem. Die Benutzer generieren dabei eine Art von
"kollektiver Intelligenz" [OR2005]: Ein
soziales Netz von zusammenarbeitenden Benutzern, die ihre eigene
Risikoeinschätzung austauschen. |
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4.2 Juristische Fragen 2006 entschied das OLG Hamburg im Berufungsverfahren, dass ein Forenbetreiber nicht grundsätzlich eine Pflicht zur Überprüfung hat. Er muss auf einen entsprechenden Hinweis hin unmittelbar reagieren und offensichtlich rechtsverletzende Beiträge entfernen. In der Praxis empfiehlt sich eine Überprüfung von mindestens einmal pro Tag, in kritischen Threads noch häufiger. Ein neuer Aspekt in diesem Urteil war die Verpflichtung des Forenbetreibers, eine Prognose zu erstellen, ob aufgrund der bisherigen Forenbeiträge kritische Beiträge zu erwarten sind. Das Gericht unterschied auch zwischen privaten und gewerblich betriebenen Foren. Gewerblich betriebene Foren sollten demzufolge eine recht engmaschige Überprüfung aufweisen. Die weitere Entwicklung der Rechtssprechung in Europa ist noch uneinheitlich. Die weitere Entwicklung der Rechtssprechung in Europa ist noch uneinheitlich. |
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| 5. Zusammenfassung | |
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Zukünftige Webforen im Outdoor-Risikomanagement werden soziale Plattformen sein, die den Benutzern ein Forum für ihre Riskikoerfahrung geben. Das Setup eines solchen "Social Web" im Risikomanagement wird durch die Verwendung von standardisierten Web-2.0-Komponenten wie Blogs, Foto-, Video- oder Kartenapplikationen ermöglicht. Der Sicherheitsgewinn für den einzelnen Outdoorsportler ergibt sich durch die Community, die ihre Erfahrung dort austauscht, diskutiert und bewertet. |
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| Weiterführende Diskussionen | |
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Unter http://ckling41.wordpress.com werden weiterführende Infos zu diesem Thema veröffentlicht. Dort gibt es auch die Möglichkeit für Kommentare und weitere Diskussionen. 'Social
web for risk management' auf der IDRC 2006 in Davos vorgestellt |
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| Referenzen | |
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[AKIS2005]
[AT2004]
[BAS2000]
[ESIS2001]
[GIPF2002]
[FOR2000]
[IFKIS2004]
[LISA2001]
[OR2005]
[SW2006]
[TR2005]
[VW2004]
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